Riechsalz & Riechampullen im Eishockey

Riechsalz & Riechampullen im Eishockey – Mythos, Ritual oder echter Leistungs-Boost?

Wenn man einmal eine Eishockeykabine kurz vor Spielbeginn erlebt hat, kennt man den Moment: Spieler sitzen konzentriert, Schläger werden abgeklopft — und plötzlich geht eine kleine Ampulle herum. Ein kurzes „Knack“, ein scharfes Einatmen… und die Augen sind weit offen.
Willkommen in der Welt von Riechsalz (Smelling Salts).

Im modernen Profi-Hockey – von der National Hockey League bis zur Deutsche Eishockey Liga – gehört dieses Ritual fast schon zur Kabinenkultur.

Was steckt in Riechampullen?

Die meisten Ampullen enthalten Ammoniumcarbonat.
Beim Öffnen entsteht Ammoniakgas — ein extrem stechender Geruch.

Was im Körper passiert:

  1. Die Nasenschleimhaut wird stark gereizt

  2. Der Atemreflex wird schlagartig aktiviert

  3. Herzfrequenz und Aufmerksamkeit steigen sofort

Der Effekt dauert nur wenige Sekunden — aber genau das ist der Punkt:
Ein kurzer neurologischer „Weckruf“.

Warum nutzen Eishockeyspieler das?

Eishockey ist ein Sport mit maximaler Explosivität. Ein Shift dauert oft nur 30–60 Sekunden. In dieser Zeit müssen Spieler:

  • sofort reagieren

  • harte Checks einstecken

  • komplexe Entscheidungen treffen

  • extreme Geschwindigkeit halten

Viele Spieler berichten, dass Riechsalz ihnen hilft, in den „Game Mode“ zu wechseln.

👉 Wichtig:
Es steigert nicht direkt Muskelkraft oder Ausdauer — sondern Aufmerksamkeit und Wachheit.

Funktioniert es wirklich?

Wissenschaftlich gesehen:

Kurzfristig ja — langfristig nein.

Studien zeigen:

  • Reaktionszeit kann minimal verbessert werden

  • subjektive Wachheit steigt deutlich

  • Kraftleistung bleibt unverändert

Das bedeutet:
Riechsalz wirkt eher wie ein sehr aggressiver „Reset-Knopf fürs Gehirn“ als wie Doping.

Risiken & Kritik

Medizinisch ist die Wirkung nicht völlig harmlos.

Mögliche Probleme:

  • Schleimhautreizungen

  • Kopfschmerzen

  • Schwindel

  • Gewöhnungseffekt

  • Verschleierung von Gehirnerschütterungssymptomen

Gerade letzter Punkt ist im Hockey heikel.
Deshalb rät die International Ice Hockey Federation von der Nutzung nach Kopfverletzungen ab.

Ist es erlaubt?

Aktuell gilt:

Liga Status
NHL erlaubt
DEL erlaubt
IIHF Turniere erlaubt, aber medizinisch kritisch bewertet

Es steht nicht auf der Dopingliste, weil keine leistungssteigernde Stoffwechselwirkung vorliegt.

Ritual statt Wundermittel

Viele Trainer sagen:
Der größte Effekt ist psychologisch.

Das Öffnen der Ampulle markiert mental:

Jetzt beginnt der Wettkampf.

Ähnlich wie Tape-Rituale oder der erste Schritt aufs Eis wird es Teil der individuellen Vorbereitung — ein Trigger für Fokus und Aggressivität.

Fazit

Riechsalz ist im Eishockey kein Geheimdoping, sondern eher:

eine Mischung aus Neurologie, Tradition und Psychologie.

Es macht Spieler nicht stärker
— aber für ein paar Sekunden wacher, schärfer und bereit für den nächsten Shift.

Und manchmal reicht genau das, um einen Zweikampf zu gewinnen.